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Freiburg bleibt landesweit die kriminellste Stadt

Polizei Polizeipräsidium Freiburg BissierstraßePräsidium in der Bissierstraße: Hier präsentierte die Polizei die aktuelle Kriminalitätsstatistik für Freiburg. Foto: Joers

Die Zahl der Straftaten in Freiburg ist im vergangenen Jahr gesunken. Landesweit bleibt Freiburg aber die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate. Sorge bereitet das um sich greifende Phänomen der Messerangriffe. Der Polizeipräsident bringt deshalb Messerverbotszonen ins Gespräch.

Die Zahl der Straftaten in Freiburg ist im vergangenen Jahr gegenüber 2023 von 25.338 auf 23.376 Straftaten (ohne Verstöße gegen das Ausländerrecht) gesunken. Freiburg behält damit „leider wieder“ den Spitzenplatz im Land, sagte Freiburgs Polizeipräsident Franz Semling am Montag bei der Vorstellung der Statistik. Trotzdem zeigt sich Semling „insgesamt zufrieden“ über den Rückgang der Straftaten um 7,7 Prozent.

„Wir glauben, dass wir einen Trend erkennen“, so Freiburgs oberster Polizist, der die Hoffnung äußerte, im kommenden Jahr den Titel der Straftaten-Hochburg endlich an „Verfolger“ Mannheim abgeben zu können: „Der Abstand zu Mannheim ist deutlich kleiner geworden“, sagte Semling. Freiburg liegt mit dem Rückgang der Straftaten sogar deutlich über dem Landesdurchschnitt (-0,2 Prozent).

„Diese Entwicklung muss uns Sorgen bereiten“: Polizeipräsident Franz Semling. Foto: Joers

Im Detail aber spricht der Polizeipräsident von Entwicklungen, „die uns große Sorgen bereiten sollte“, so Semling. Zwar sei die Zahl der für das Sicherheitsgefühl wichtigen Straftaten im öffentlichen Raum im Stadtkreis Freiburg von 14.333 auf 13.218 (-7,8 Prozent) gesunken. Die Gewaltdelikte legten aber nochmal minimal zu 1931 Fälle (+4) auf den zweithöchsten Wert seit zehn Jahren. Und mit 369 registrierten Messerangriffen weist kein Polizeipräsidium in ganz Baden-Württemberg so viele Fälle auf wie das Freiburger. Allein am Stühlinger Kirchplatz (11 Fälle), dem Europaplatz (13) und die Landeserstaufnahmestelle (11) gab es 2024 über 30 Messerattacken. Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen liegt hier bei 60 Prozent.

Rekord bei RaubüberfällenDeswegen möchte Polizeipräsident Semling in Freiburg die Einrichtung von Messerverbotszonen auf den Weg bringen. Er sei optimistisch, dass man im Gespräch mit der Stadt Freiburg eine rechtssichere Lösung finden werde. Auch die Zahl der Raubüberfälle in der Stadt erreicht mit 228 Fälle einen neuen Zehnjahres-Höchststand. Schwerpunkt sei die Drogenszene auf dem Stühlinger Kirchplatz, so Kripochef Armin Bohnert. Ob es auch mehr Videoüberwachung geben werde, zum Beispiel an der Stadtbahnbrücke, sei dagegen völlig offen. „Nur wenn es rechtlich möglich ist und wenn es hilfreich ist, machen wir es“, sagt Semling über das aufwendige Verfahren für zusätzliche Videokameras.
Zurückgegangen ist in Freiburg die Zahl der Fahrraddiebstähle (von 2.695 auf 2.315). Aufgrund der hochwertigen Räder beziffert Bohnert die dabei entstandene Schadensummer auf über 7 Millionen Euro. Selbst ein Einsatzfahrrad der Polizei – während eines 30-minütigen Einsatz am Hauptbahnhof wurde das Fahrrad gestohlen. „Wir haben festgestellt, dass das genutzte Schloss nicht gut genug war“, sagte Bohnert und rät zum Kauf hochwertiger Fahrradschlösser.

Selbst die Freiburger Polizei blieb nicht von Fahrraddiebstählen verschont, berichtete Kripochef Armin Bohnert. Foto: Joers

Zugenommen habe im gesamten Polizeipräsidium auch die Zahl der Cybercrime-Taten von 1352 auf 1439 Fälle. „Der Transformation der Straftaten in den virtuellen Raum ist klar ablesbar“, so Semling. Rückläufig sind dagegen Wohnungsdelikte. Über die Gründe kann die Polizei nur spekulieren. Der Trend zum Home Office kann aber eine Rolle spielen, was Täter möglicherweise abschrecke, so Semling. Matthias Joers