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Raubkatze zieht es in den Schwarzwald: Bald lauert hier Familie Luchs

Ein imposantes Geschöpf: Der Luchs ist die größte heimische Raubkatze. Foto: Archiv/Seidler

Der Luchs ist Deutschlands größte heimische Raubkatze und durchstreift als Einzelgänger große, zusammenhängende Waldgebiete – so auch den Schwarzwald. Vor mehr als 200 Jahren hatte ihn der Mensch in unserer Region ausgerottet. Aber auf leisen Pfoten ist er nun zurückgekehrt. Von Freiburg aus werden die Luchse in der Region wissenschaftlich nachverfolgt. Von einem tragischen Verkehrsunfall, bei dem ein Luchs getötet wurde, lassen sich die Tierschützer nicht entmutigen.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg ist mit dem Monitoring von Luchsen und Wölfen in Baden-Württemberg beauftragt. Das Team Luchs- und Wolfsmonitoring nimmt Hinweise zur Präsenz von großen Beutegreifern entgegen und dokumentiert und bewertet diese. Auf Basis dieser Daten werden das Vorkommen und die Verbreitung in Baden-Württemberg dokumentiert.

Nachdem vergangene Woche im Kreis Lörrach ein Luchs tödlich überfahren wurde, streifen nach aktuellen Erkenntnissen jetzt nur noch sechs Luchse durch den Schwarzwald. Im Südschwarzwald gilt derzeit nach Auskunft des Freiburger Luchsexperten Jens Seeger nur der männliche Luchs „Wilhelm“ als sesshaft. Mindestens zwei weitere Tiere seien noch auf der Suche nach eigenen Territorien.

Ist es denkbar, dass die Dunkelziffer der hier heimischen Tiere höher liegt? „In der Vergangenheit wanderten immer wieder neue Luchse aus angrenzenden Populationen, insbesondere dem Schweizer Jura, zu uns ein. Viele der Tiere wurden jedoch nicht sesshaft, weil sie entweder wieder abwanderten oder verstarben. Daher schwankt der Luchsbestand stark. Die entsprechende Dunkelziffer ist somit schwer abschätzbar“, erklärt Jens Seeger dazu wieder, daher drängen Experten und Umweltschützer darauf, mehr Grünbrücken und Wildtierdurchlässe einzurichten. Allein in den vergangenen 15 Monaten wurden drei der seltenen Raubkatzen überfahren.

So groß wie ein Schäferhund

Luchse sind durchaus stattliche Tiere. Die Schulterhöhe von männlichen Tieren beträgt 50 bis 75 cm. Weibchen sind etwas kleiner. Der Luchs wirkt sehr hochbeinig und ist fast so groß wie ein Schäferhund. Auffällig sind die rund 4 cm langen Ohrpinsel, der Backenbart und der kurze Schwanz (20-25 cm lang, die Spitze ist schwarz).

Männliche Tiere wiegen zwischen 15-30 kg, die weiblichen zwischen 15-20 kg. Auf der Speisekarte steht vorwiegend Wild: „Der Schwarzwald bietet mit seinen gesunden Wildbeständen ausreichend Nahrung für Luchse. Die Hauptbeute hierzulande stellt das Reh dar. Zu ihrem Beutespektrum gehören aber auch Hasen, Füchse oder kleinere Säugetiere“, erklärt der Freiburger Luchsexperte.

Geht es nach Umweltministerium und FVA sind die Luchse gekommen, um zu bleiben. Bis 2027 sollen acht weitere Luchse im Schwarzwald ausgewildert werden, um die kleine Population zu stabilisieren. Ein echter Durchbruch wäre es, wenn sich ein Paar finden würde, das Nachwuchs zeugt. „Durch die gute Lebensraumeignung im Schwarzwald mit ausreichend Rückzugsräumen und Beutetieren hat der Luchs Chancen, wieder bei uns heimisch zu werden. Mit dem aktuellen Bestandstützungsprojekt ’Luchs Baden-Württemberg’ besteht zum ersten Mal in der Geschichte Baden-Württembergs die Möglichkeit, den heimlichen und faszinierenden Tieren eine reelle Chance zu geben, sich hier dauerhaft zu etablieren“, ist Seeger optimistisch.